Start Historisches Werden und Wachsen des Ortes
Werden und Wachsen des Ortes PDF Drucken E-Mail

Seifersdorf wurde von deutschen Siedlern gegründet, die- nachdem sie die Sorben zurückgedrängt hatten- gegen Ende des 12.Jahrhunderts in unser Gebiet gelangten. Bis zurzeit der Völkerwanderung (um 375 unserer Zeit) war unser Gebiet im Besitz germanischer Stämme, z.B. der Hermunduren, gewesen und wurde um 400 u.Z. von den Sorben besetzt.

Überall, bis ins Gebirge hinauf, das von den Sorben gemietet wurde, setzten sich deutsche Bauern fest. So kamen sie auch zur roten Weißeritz und fanden unser Seitental geeignet, sich hier anzusiedeln. Wahrscheinlich sind Ansiedler im Auftrage des Burggrafen von Dohna unter Führung eines Siegfried (Sivertus, Seifried, Seifert) von Rabenau aus in unsere Gegend gesandt worden. Das Gründungsjahr ist nicht bekannt. Der Ort wird erstmalig in einer Schenkungsurkunde für das Kloster Alt-Zella (beim heutigen Nossen) erwähnt.

Seifersdorf ist als Bauernsiedlung entstanden. Freie deutsche Bauern nahmen Besitz von dem ihnen zur Kolonisation gewährten Land und bauten ihre Höfe vom Weißeritztal -in Richtung von Nordost nach Südwest zu beiden Seiten eines Baches - aufwärts bis zur Höhe.

Jeder Bauer erhielt eine gleichgroße Hufe, nur der Schulze und der Pfarrer bekamen zwei. Die Größe der deutschen Hufe schwankte zwischen 20 und 40 Acker, meist enthielten sie 30 Acker (16,6 Hektar). Die Äcker waren handtuchartig angelegt, die Schmalseite mit 5 und die Längsseite mit 60 Ruten Ausdehnung (1 Rute entspricht 4,29 m); jede Hufe hatte ihren Feldweg, zumeist in der Mitte.

Der Kern des Ortes bildete als Hauptgut das Erbgericht auf der Ostseite, dem das Pfarrgut auf der Westseite gegenüberlag. Die Landfläche, die der zu gründenden Dorfgemeinschaft vom Dohnaer Lehnsherrn zugewiesen wurde, erstreckte sich von der Roten Weißeritz westwärts bis zum Borlasbach und vom Paulsdorfer bzw. Seifener Wasser nordwärts bis zur Spechtritzer Flur.

Zuzug und Erbteilung veränderten die soziale Schichtung des Ortes. Neben den Bauern fanden sich die Gärtner (Hintersassen) mit einem Häuschen und einem Stück Gartenland das als Ackerland oder Krautgarten verwendet werden konnte. Dieses Gartenland unterlag nicht dem Flurzwang des Bauerngutes. Die Bauern mussten die Felder mit dem Pflug bestellen, mit Getreide besäen und nach festgelegter Art zur Weide liegen lassen; die Gärtner bestellten es meist Jahr für Jahr (Jahrland) mit dem Spaten und bepflanzten oder besäten es.

Als dritte soziale Schicht sind die Häusler mit einem Häuslein und einem Garten oder einem Stück Wiese ,,vor einer Ziege" zu nennen. Sie waren meist Handwerker, während die nichtansässigen Dörfler zur Miete wohnten und als Gesinde und Hausgenossen ihr Brot verdienten. Der Schmied des Ortes war gewöhnlich der Gemeindeschmied, und das von ihm bewohnte Häuschen auf dem Gemeindeanger war Gemeindebesitz. Außer dem Schmied fanden sich Leineweber und Schneider ein; denn nach der Landesverordnung von 1482 waren nur diese drei Handwerksklassen auf den Dörfern zugelassen. Der Dorfhandwerker war nur Lohnarbeiter ohne Material. Der Müller war zugleich Gutsbesitzer, der Fleischer Gastwirt.

Das Gastwirtsgewerbe als solches gab es nicht, da das Schenken gewöhnlich nur Nebenbetrieb eines mit Schankberechtigung ausgestatteten Gutes war (in Seifersdorf das Erbgericht) oder der Reihe nach von den Bauern als Reihenschank ausgerichtet wurde.

Mit dem Einzug der Industrie (Strohflechten, Stuhlbau) mehrte sich die Zahl der Häusler und Mitbewohner, und nach Einführung der Gewerbefreiheit und Freizügigkeit setzten sich auch Handwerker, wie Tischler, Schuhmacher, Fleischer, Sattler, Stellmacher, Korbmacher, Bäcker, Maschinenschmied, Stuhlbauer im Hausbetrieb u.a. in Seifersdorf fest. Es entstanden Kaufläden für Kolonialwaren, Spirituosen, Hausbedarfsartikel und Schnittwaren; dadurch wuchs die Einwohnerzahl rasch an. Um 1890 hatte Seifersdorf bereits 856 Einwohner.

Durch den Bau der Schmalspurbahn ist Seifersdorf seit 1882 an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen und von Dresden über Hainsberg bequem zu erreichen. Dadurch waren- im Zusammenhang mit der waldreichen Umgebung des Ortes- günstige Voraussetzungen für die Entwicklung des Erholungswesens gegeben. Mit dem Bau des Kurhauses im Jahre 1898 am südlichen Waldrand begann die Entwicklung des Ortsteiles Neu- Seifersdorf, der heute bis an Seifen heranreicht. Seifen war früher selbst Ortsteil von Seifersdorf und gehört heute zu Paulsdorf. Kurze Zeit später wurden in unmittelbarer Nähe des Kurhauses das Genesungsheim (1901) und einige Villen zur Beherbergung der Urlauber errichtet.

Das älteste Gebäude, das in dieser Gegend stand ist längst verschwunden. Es war ein Dampfsägewerk, das 1886 in der Nähe der späteren ,,Villa 1900" erbaut wurde. Da aber die Dampfkraft für die Zeit zu teuer wurde, kein Wasserlauf und auch keine Elektrizität zur Verfügung standen, ging der Betrieb nach wenigen Jahren ein.

Quelle: Unser Heimatdorf 1282-1982 : 700 Jahre Seifersdorf

 
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